Neuartige lineare Positionierungssysteme

Projektleiter:

Prof. Dr.-Ing. P. Dittrich

Mitarbeiter: Dipl. Ing. (FH) M. Burkhardt
   
Forschungspartner: Carl Zeiss Jena GmbH
 

PI Ceramic Lederhose

  TU Ilmenau
Laufzeit: Mai 1999 bis Oktober 2000

 

 

Motivation

In optisch-feinmechanischen Geräten gewinnen auf Grund der zunehmenden Mikroprozessorsteuerung optischer oder mechanischer Elemente miniaturisierte und kostengünstige Linearaktoren immer mehr an Bedeutung.

Der Preisvorteil herkömmlicher DC- und Schrittmotoren wird durch die notwendige Kombination mit entsprechenden Getrieben, Spindeln und Linearführungselementen bei Einsatz für Linearantriebe wieder aufgezehrt. Schrittgrößen im µm-Bereich und darunter sind dabei technisch sehr anspruchsvoll. Konstruktionstechnische Probleme können in diesem Zusammenhang durch den im Gerät begrenzten nutzbaren Bauraum entstehen.

Im Rahmen des Verbundprojektes werden Antriebslösungen mit piezoelektrischen Impulsantrieb entwickelt die durch optimale Integration des Linearantriebs in das Gerätekonzept besser geeignet sind. Ihr Wirkprinzip beruht auf der Ausnutzung des Massenträgheitseffekts in Kombination mit Festkörperreibung. Die kinematische Einfachheit dieser häufig auch als Impact Drives bezeichneten Antriebe birgt das Potential zu weiterer Miniaturisierung in sich.

Die Teilaufgabe der FH Jena innerhalb dieses Verbundprojektes besteht in der Modellierung/Simulation und Optimierung dieser in Form und Größe variablen Antriebe. Die Schaffung eines Werkzeugs für die ökonomische Entwicklung neuer Aktoren nach dem Impulsprinzip ist ein Ziel des Teilprojektes.

Als Auszug aus den Aufgabengebieten ist im Bild 1 eine optisch funktionelle Baugruppe dargestellt. Der Aufbau des Antriebs ist im unteren Teil skizziert. Es sind im Modul vier unabhängige Linearantriebe untergebracht. Dieser Antrieb arbeitet mit Spannungen von 12V und erreicht Kräfte von etwa 250mN sowie Geschwindigkeiten um 3mm/s. Dabei liegen die Schrittweiten bei 0,3µm. Die Vorschubbewegung des Antriebes erfolgt schrittweise unter der Überwindung der Reibungskraft in der Führung durch die Trägheitskräfte, die aus der schnellen Deformation des Biegeelements resultieren (siehe auch Beispiel in Bild 3).

 

 

Bild 1:Modul mit vier unabhängigen Linearmotoren (Biegeaktor)

 

 

Untersuchungsmethoden

Zur Ableitung von Design-Richtlinien wird das Impulsprinzip grundlegend untersucht. Die Auswirkungen einer großen Zahl von beeinflussbaren Parametern auf den gesamten Antrieb werden zum Beispiel mit Hilfe von mechanischen Netzwerkmodellen nachvollzogen.

Dabei wird unter Ausnutzung der Äquivalenz von mechanischen und elektrischen Netzwerkelementen auf Software zur Simulation elektrischer Netzwerke zurückgegriffen (SIMPLORER). Im Bild 2 ist beispielhaft ein Netzwerk dargestellt, mit dem der Antrieb vereinfachend auf ein System von zwei Massen und ein endlich steifes Antriebselement reduziert wird. Der nichtlineare Widerstand repräsentiert den Reibkontakt zur Umgebung bzw. zum Führungselement des Antriebes.

 

Bild 2: Idealisierung eines Impact Drive auf zwei Massen, ein Antriebselement mit Nachgiebigkeit und einen nichtlinearen Widerstand

 

Ein wesentliches Hilfsmittel zur Erfüllung der Projektaufgaben ist die Simulation der Antriebe auf der Basis eines umfassenden FEM-Modells. Damit ist gemeint, die Geometrie des Aktors mit hinreichender Genauigkeit, die Materialsteifigkeiten, der piezoelektrische Effekt und nicht zuletzt der Reibkontakt zwischen zwei Festkörperoberflächen werden in einem dreidimensio-nalen FEM-Modell berücksichtigt. Trotz einiger notwendiger Vereinfachungen im Modell (Coulombsches Reibmodell, linearisierter Piezoeffekt, Diskretisierung), liefert die FE-Analyse erfahrungsgemäß sehr wertvolle Ergebnisse.

Die FEM-Simulation, hier unter ANSYS, ist zum einen von Vorteil für die Untersuchung des realen Verhaltens der Aktorik. Wegen der sehr kleinen Wegamplituden bei gleichzeitig hohen Schwingungsfrequenzen bis in den Ultraschallbereich hinein, ist die Beobachtbarkeit der Versuchsaufbauten stark eingeschränkt. In einer transienten Analyse unter ANSYS kann beispielsweise das Anlaufverhalten dieser Reibantriebe sehr komfortabel und detailliert nachgestellt werden. Zum anderen kann unter Umgehung des Anfertigens neuer Funktionsmuster die Auswirkung von Modifikationen auch am Modell untersucht werden. In diesem Zusammenhang muss ebenfalls bedacht werden, dass wegen der statistischen Sicherheit die Anfertigung mehrerer Versuchsmuster in zum Teil zeitaufwendiger Handarbeit erforderlich wäre. Nicht zuletzt soll durch diese Art der Optimierung sichergestellt werden, dass das für die Mehrzahl der Applikationen erforderliche Wegmesssystem nicht durch parasitäre Schwingungen in seiner Funktion gestört wird.

Die Verifizierung der Modelle erfolgt mit den bei Carl Zeiss Jena angefertigten Funktionsmustern unterschiedlicher Ausgestaltung durch die experimentelle Datengewinnung. Als Beispiel für die Gültigkeit des FEM-Modells ist im Bild 3 eine entsprechende Gegenüberstellung für einen speziellen Aktor mit diskförmigen Piezoelement zu finden. Hier entspricht die Kurve für x2 (Weg von m2) dem Ort der eigentlichen Nutzlast.

 

Bild 3: Gegenüberstellung des Ergebnisses einer transienten Berechnung mittels FEM (a) und Messung (b)

 

Im Bild 3 ist ein typischer Bewegungsablauf eines Impulsantriebes dargestellt. Durch Resonanzeffekte ergibt sich für die angeregte Relativschwingung der zwei Massen zueinander eine Abweichung zum Anregungssignal. Dennoch lassen sich im Bereich der Resonanzfrequenz für den genutzten Schwingungsmode die größten Leistungen der Antriebe erzielen. Unter Betrieb in Resonanz ist hierbei zu verstehen, dass die Betriebsfrequenz der Frequenz der in der Relativschwingung enthaltenen Grundwelle entspricht.

 

Kontaktadresse:

Fachhochschule Jena

Fachbereich Elektrotechnik/Informationstechnik

Carl-Zeiss-Promenade 2

07745 Jena

Projektleiter:

Prof. Dr.-Ing. Peter Dittrich

peter.dittrich@fh-jena.de

Tel.: 03641 205 716 Fax: 03641 205 701

Projektbearbeiter:

Dipl. Ing (FH) Matthias Burkhardt

burkhardt@fh-jena.de

Tel.: 03641 205 724 Fax: 03641 205 701

erstellt am 13.07.2000